Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Halle

gegründet 1875 !

 

Die freiwillige Feuerwehr Halle kann in diesem Jahr auf ihr 135-jähriges Bestehen zurückblicken.

In dieser Zeit hat sich die Wehr Halle zu einer Stützpunktwehr entwickelt. Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt, daß Halle schon vor mehr als 250 Jahren als zentraler Ort für das Feuerlöschwesen angesehen werden konnte.

Das Dorf Halle war schon 1759 mit nachstehenden Feuerinstrumenten ausgerüstet:

        3 kleine Handspritzen

        2 Feuerleitern

        2 Haken

        3 Eimer

Bei den Handspritzen wird es sich um tragbare Spritzen, auf Kufen stehend, gehandelt haben. Die Überprüfung und Ausprobierung der Feuerinstrumente erfolgte in den ersten Tagen des Monats Juni. Nachlässigkeit in der Wartung und unterlassene Hilfeleistung führten zu Geldstrafen, während ein schneller Einsatz der Spritzen belohnt wurde. Die Kirchenglocken gaben ein Zeichen zur Hilfe. 2 Männer des Dorfes waren mit der Wartung der Spritzen beauftragt. Die Aufsicht lag meistens in den Händen eines Schmiedemeisters.  

Diese Spritzen wurden abgelöst durch eine bespannte Handdruckspritze. Das Jahr der Anschaffung dürfte etwa um 1815 gewesen sein.

Am 1. Juli 1872 wurde eine bespannte Hand-Druck- und Saugspritze von der Firma Rothgießer, Holzminden, geliefert. Sie fand ihren Platz in dem neuen Spritzenhaus in der Dormitte an der Kirchhofsmauer.

Die Gemeinde Halle war die erste Gemeinde im Kreis Holzminden, die schon am 26. Februar 1873 die Voraussetzungen für die Freiwillige Feuerwehr erfüllte. Die Städte Holzminden und Stadtoldendorf schlossen sich an.

Die Bedingungen waren hiermit für den Zuschuss von 500 Talern erfüllt. Das Staatsministerium Braunschweig bewilligte mit Schreiben vom 11. März 1873 die Auszahlung an den Gemeindevorsteher Friedrich Schütte über die Kreisdirektion Holzminden.

Am 2. April 1874 wurde im Land Braunschweig ein Gesetz über das Feuerhilfswesen in Kraft gesetzt. Dieses Gesetz verschaffte den übrigen Gemeinden die Möglichkeit, den Feuerlöschdienst als Freiwilligen Feuerwehrdienst ins Leben zu rufen. Der Kreis Holzminden wurde in Feuerlöschbezirke eingeteilt. Halle mit den Ortschaften Dohnsen, Tuchtfeld, Linse, Kreipke, Wegensen gehörte zum Löschbezirk 21. Bezirkshauptmann war der Gastwirt Theodor Dempewolf, Halle Nr. 10, der auch gleichzeitig Hauptmann der Ortsfeuerwehr Halle war.

Halle hatte 1879

527 Einwohner und 69 Wohnhäuser

Die Mannschaftszahl für die Feuerwehr betrug 32 Freiwillige und 36 Personen in der Ordnungsmannschaft

Die Freiwillige Feuerwehr war mit 2 fahrbaren Spritzen ausgerüstet:

1. eine Spritze mit Saugwerk von 1872

2. eine Spritze ohne Saugwerk von 1815

60 m Druckschläuche sorgten für den Transport des Löschwassers.

2 Dachleitern gehörten zu der Sonderausstattung.

 

Am 28. Oktober 1925 wurde bei der Firma Julius Müller in Döbeln/Sachsen eine Motorspritze mit 600 Liter Minutenleistung zum Preis von 5.800,- Mark in Auftrag gegeben. 1926 erfolgte die Auslieferung der Spritze. Die Holzräder liefen auf Kugellager, eine Spindelbremse verminderte das Tempo, acht Feuerwehrleute fanden ihren Platz auf der Spritze, die von Pferden gezogen wurde. Diese zwei oder vier Pferde vor der Spritze sorgten für eine rasche Fahrt zum Einsatzort. Die größte Erleichterung bedeutet aber der Vier-Zylinder-Motor mit Magnet-Zündung der Selve -  Werke - Hameln, der mit seinem sonoren Brummen die Saug-Druckaggregate der Spritze antrieb. Die Wassermengen, die diese Spritze herausschleuderte, beeindruckte die Mannschaft und rief Bewunderung bei den Zuschauern hervor.

Bei der Firma Albert Ziegler, Giengen, wurden für die Spritze 450 lfd. Meter rote Hanfschläuche mit 75 mm Durchmesser und 52 mm Durchmesser Typ Württembergia für 15-20 Atü Druck bestellt. Die Mannschaft war mit khakifarbenen Drillichröcken, breiten Hakengurten und Messinghelmen ausgestattet. Die Helmspitze des Feuerwehrhauptmanns zierte ein rotgefärbter Rosshaarschweif, der bis auf den Helmrand herab fiel.

1929/30 wurde ein neues Feuerwehrgerätehaus mit Schlauchturm gebaut. So fanden die Leitern und die Schläuche nach einem Einsatz den zentralen Trocknungsplatz. Die solide Motorspritze von 1926 erhielt nach dem Kriege eine neue Deichsel, die einen Treckervorspann ermöglichte. Aber die Zeit eilte weiter. Ein Treckergespann konnte da nicht mehr mithalten.

Am 7. Sept. 1957 erhielt die Wehr ein modernes Löschfahrzeug, Typ LF 8 / TS 8. Das Fahrzeug war ein 1,5 t Opel-Blitz, das den Aufbau von der Fa. Graef in Eitze erhielt. Nun gehörte Halle mit zu den schlagkräftigsten Wehren, der starke 2,5 Ltr 6 Zyl. Motor sorgte für die nötige Kraft an der Vorbau-Pumpe und entsprechende Schnelligkeit zum Einsatzort. 1964 wurde noch ein Schaumlöschgerät angeschafft, das bei schwierigen Gegebenheiten, wie Heizungsanlagen- und Kfz-Bränden zum Einsatz gebracht werden konnte. Bei dieser Gelegenheit sollen die Atemschutzgeräte und Halogenscheinwerfer nicht unerwähnt bleiben.

Am 27. Juli 1971 wurde ein gebrauchter VW-Kombi als Zweitfahrzeug erworben. Das Fahrzeug wurde in Eigenleistung hergerichtet. Ende 1984 wurde es ausgemustert.

Das alte Feuerwehrhaus in der Ortsmitte wurde am 4. Februar 1974 abgebrochen. Es hatte nach Auszug der Feuerwehr im Jahr 1930 eine Kfz-Werkstatt beherbergt.

Im Jahr 1974 wurde mit dem Bau eines neuen Gerätehauses mit Schulungsraum neben dem jetzigen Gemeindebüro begonnen. 1975 erfolgte die Einweihung.

Am 4. Sept. 1981 konnte die Haller Wehr ein neues Löschfahrzeug, ein LF 8 (S) von der Firma Magirus - Deutz AG, Ulm, in Empfang nehmen. Die Gesamtkosten für das Fahrzeug beliefen sich auf 151.646,- Mark. Für dieses Geld wurde ein Allrad-Fahrzeug mit moderner technischer Ausstattung geliefert. Das alte LF 8 (Opel-Blitz) hatte trotz sorgfältiger Pflege nach 24-jährigem Einsatz ausgedient. Bei einem Unwetter über Halle konnte das neue Fahrzeug seine Einsatzmöglichkeiten gleich zur vollsten Zufriedenheit bestätigen.

Der 20. Februar 1985 war ein besonderer Tag für die Freiwillige Feuerwehr Halle. An diesem Tag konnte die Wehr ein Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 von der Firma Iveco Magirus, Ulm, die 1981 auch das LF 8 (S) geliefert hatte, entgegennehmen. Die feuerwehrtechnische Abnahme bei der Landesfeuerwehrschule Celle erfolgte ohne wesentliche Mängel. Da es sich um einen neuen Typ handelte, wurde es nach allen Regeln der Technik geprüft. Halle war damit die erste Wehr in Niedersachsen, die mit so einem Fahrzeug ausgerüstet wurde. Der Preis war bei der Finanzierung ein harter Brocken, kostete das LF 8 (S) schon DM 151.646,-, so beliefen sich bei diesem Fahrzeug die Gesamtkosten auf DM 157.830,86. Ein 160 PS starker Motor treibt das Allrad-Fahrzeug und die Heckpumpe an. Der Wassertank, ständig gefüllt mit 1800 Ltr. Wasser, ermöglicht den sofortigen Löscheinsatz auch in schwierigem Waldgelände.

Mit diesen Fahrzeugen ist die freiwillige Feuerwehr Halle als Stützpunktwehr wirklich optimal ausgestattet.

Die Führung und die gute Zusammenarbeit in unserer Wehr und den umliegenden Wehren ließen die Pläne für die Ausstattung und die damit verbundene Bewilligung der Gelder für diese Fahrzeuge auf fruchtbaren Boden fallen. Die Freiwillige Feuerwehr Halle weiß um dieses Vertrauen und wird durch ihren unermüdlichen Einsatz, stets da, wo sie angefordert wird zur Stelle sein.

Anfang der 80er Jahre ereigneten sich in Halle durch Wasseransammlungen auf den Landwirtschaftlich genutzten Flächen z.B. unter der Helle (damals noch unter der Hölle) sehr viele Hochwasser. Um für diese Einsätze und das Auspumpen der Keller noch besser gerüstet zu sein, bekam die FFW Halle 1986 eine Turbinenpumpe die zusammen mit dem Tanklöschfahrzeug sehr effektiv eingesetzt werden kann.

1988 wurde ein Gerät angeschafft, welches heute aus dem Alltag der Feuerwehren nicht mehr wegzudenken ist. Die handbetriebene Rettungsschere wurde durch einen hydraulischen Rettungssatz, der Firma Lucas, mit Schere und Spreitzer ersetzt.

Um eine noch schnellere Rettung zu ermöglichen, wurde 1999 ein Pedalschneider, sowie 2005 zwei Unterbaublöcke und ein Teleskoprettungszylinder angeschafft. Hiermit ist die FFW Halle für die, leider immer wieder vorkommenden, schweren Verkehrsunfälle sehr gut gerüstet. Den ersten Einsatz hatte die Rettungsschere übrigens schon wenige Monate nach Ihrer Übergabe. Im Januar 1989 sind auf der spiegelglatten L588 in den frühen Morgenstunden 2 PKW frontal zusammengestoßen. Bei diesem Unfall konnte eine Person dank der neuen Rettungsschere schnell aus ihrem Auto befreit werden.

Im Jahre 1993 holte der technische Fortschritt auch die FFW Halle ein. Die Samtgemeinde Bodenwerder rüstete ihre Feuerwehren mit "Piepern" aus. Die FFW Halle bekam 10 Funkalarmempfänger der Firma Motorola. Die Alarmierung von kleineren Einsätzen wurde nun über diese abgewickelt.

Die Zeiten ändern sich !!! Da immer mehr Kameraden ihr Brot außerhalb des Dorfes verdienen müssen, wurde 1996 vom Kommando der FFW Halle beschlossen eine Sammlung durchzuführen. Von dem Erlös sollten weitere 10 Funkalarmempfänger angeschafft werden, um die Einsatzfähigkeit der FFW Halle auch weiterhin bestens sicherzustellen. Am Tag der offenen Tür 1997 konnte der eingeladenen Bevölkerung voller Freude mitgeteilt werden, dass die Sammlung ein unerwarteter Erfolg war. Der Ortsbrandmeister bedankte sich ganz herzlich bei allen Spendern und verkündete, dass von dem Erlös 10 Pieper und zusätzlich ein 2m-Band Handsprechfunkgerät angeschafft werden konnte welches die Koordination bei Einsätzen sehr erleichtert.

Im Oktober 1996 traf sich ein kleiner Kreis der FFW Halle um abzuwägen, ob es möglich ist und mit welchem Aufwand es verbunden wäre, eine Jugendfeuerwehr, in Halle, ins Leben zu rufen. Schon nach kurzer Zeit stand fest, dass ein Probebetrieb auf alle fälle stattfinden muss. Dieser wurde, nach einer Einladung an alle Familien mit Kindern, im März 1997 mit 19 Jugendlichen gestartet. Nach einem Jahr Probebetrieb der Jugendabteilung, konnte die FFW Halle dann am 21.03.1998 mit einer Gründungsveranstaltung die Jugendfeuerwehr Halle, in Halle gründen.

1999 konnte unsere alte, nunmehr auch in die Jahre gekommene, TS der Firma Ziegler gegen eine Nagelneue TS 8/8 Fire von Magirus ersetzt werden. Dies wurde am 24. April 1999 dann auch durch eine feierliche Übergabe am Gerätehaus in Halle offiziell besiegelt.

Im Jahre 2000 wurde mit einem Zeltfest das 125 Jährige Bestehen der FFW Halle am Sportplatz gefeiert. Außerdem konnte in diesem Jahr auch das alte, 5 kVA Stromaggregat der Firma Eisemann durch die Samtgemeinde gegen ein neues, grösseres, 8 kVA Gerät der Firma Knurrz, ersetzt werden. Mit dem Austausch des Aggregats sind nun alle Großgeräte der FFW Halle auf dem neusten Stand, was in Zeiten knapper Kassen leider nicht mehr selbstverständlich ist. Alle angeschafften Geräte werden jederzeit gepflegt und gewartet um der Bevölkerung in, teilweise lebensbedrohlichen, Notsituationen wichtige Dienste zu leisten.

Die FFW Halle hofft, dass auch in der Zukunft nicht am falschen Ende gespart wird und die Feuerwehren ohne eine gute, verlässliche Technik dastehen. Jeder sollte daran denken das eine Notsituation jeden, jederzeit treffen kann.

 

Feuer soll man nicht in Papier einwickeln !!!  Aus China